Untersuchungen im Steißlinger See

Der Steißlinger See ist 11,2 ha groß, hat eine maximale Tiefe von 20,4 m, einen mittleren pH-Wert von 7,7 und ist gut gepuffert.

Es handelt sich um einen mesotrophen See mit geringen Sichttiefen und einem Sauerstoffdefizit in der Tiefe. Es wird vermutet, dass nicht in jedem Jahr eine Vollzirkulation stattfindet. Der See wird von 20 Quelltöpfen an der Südseite gespeist, die alle in rund sieben bis neun Metern Tiefe liegen und zur Speisung des Sees durchaus genügen. Die Grünfärbung des Steißlinger Sees im Sommer ist auf das kalkhaltige Wasser des Sees zurückzuführen, da sich die Pflanzen an diesen Kalk angepasst haben und es teilweise so zu einer längeren Blütezeit kommt.

Zum Schutze des Uferbereiches wird seit 1989 der See durch eine Abschrankung geschützt. Die Abschrankung soll dazu dienen, den 10 m bereiten Uferstreifen, der bereits im Jahr 1939 als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen wurde, verstärkt zu schützen.

Jedes Jahr führt der Angelsportverein Singen-Bohlingen 1960 e. V. im Winter bei mehreren Arbeitseinsätzen Pflegemaßnahmen am Steißlinger See durch. Hierbei werden morsche Stege repariert, beschädigte Abschrankungen zur Sicherung des Schilfgürtels erneuert, umgestürzte Bäume zersägt und nicht zuletzt der Müll beseitigt. Diese Pflegemaßnahmen werden in enger Absprache mit den Grundstückseigentümern wie auch den Naturschützern durchgeführt.

Untersuchungen im See

1993 wurden vom Seenforschungsinstitut Langenargen im Rahmen einer Diplomarbeit Untersuchungen durchgeführt. Es ergab sich insgesamt ein positives Ergebnis. Untersucht wurden die Sichttiefe des Gewässers, der Sauerstoffgehalt und der ph-Wert, außerdem wurden vor allem die Ammonium-, Nitrat- und Phosphatkonzentration im Wasser in die Untersuchungen miteinbezogen. Der Steißlinger Sees weist ein empfindliches Ökosystem auf. Das Wasser wird höchstens einmal in 50 Jahren ausgetauscht.

1994 Untersuchungen der Uni Göttingen, dem Institut für Geologie und Dynamik der Lithosphäre
Ein See schreibt seine Geschichte in die Sedimente - Seeschlamm als "Geschichtsbuch" Das Interesse bei den Untersuchungen galt besonders dem Schlamm. Dieser Schlamm, Jahr für Jahr im Wasser abgesunken und am Seegrund aufgeschichtet, kann gleichsam als "Fingerabdruck" des Sees und auch der ihn umgebenden Vegetation bezeichnet werden: an ihm lässt sich die Vergangenheit und - mit gewissen Einschränkungen - auch die Zukunft des Steißlinger Sees ablesen. Die Untersuchungen vermitteln ein überraschend exaktes Bild der mittlerweile 15.000 Jahre alten Geschichte des Steißlinger Sees. Die Entstehung datiert auf den Rückzug des letzten eiszeitlichen Gletschers. Der See muss kurz nach seiner "Geburt" um bis zu acht Meter tiefer gewesen sein als heute.

Erste gravierende Spuren hinterließ der Mensch im Steißlinger See ab ca. 4.000 vor Ch.. Es wurde um den See herum mit Ackerbau begonnen; erste Funde im Schlamm finden sich allerdings erst rund 3.000 Jahre später in der späten Bronzezeit, so die geologischen Erkenntnisse. Seither wurde Steißlingen vom Menschen nicht mehr verlassen.

Doch nach den sauberen Römern, von denen bisher keinerlei Spuren im See zu finden waren, hinterließen erst wieder die Alemannen (2. Jahrhundert nach Ch.) ihren - im wahrsten Sinne des Wortes "Dreck" im See; Abwässer unterschiedlichster Art führten damals zu einer starken Eutrophierung, also zu einer Überdüngung und einem überdurchschnittlichem Algenwachstum im Steißlinger See.

Im Mittelalter lässt sich dann ein Anwachsen des Bleigehaltes nachweisen - dies ist eine unmittelbare Folge der Verhüttung im Schwarzwald. Zum Ende des Mittelalters steigt der Gehalt von Hanfpollen an, was auf eine entsprechende Verarbeitung um Steißlingen herum hindeutet und in den letzten zwei Jahrhunderten stiegen die Schwermetalle deutlich an.

1996 Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Seenforschung Langenargen im Rahmen einer Diplomarbeit "Struktur und Umsatz der Nahrungskette im Steißlinger See" - Die Fischfaune des Steißlinger Sees unter besonderer Berücksichtigung des Barsches
Der Schwerpunkt dieser Arbeit war der See als Lebensraum. Die Untersuchungen der Barschpopulation geschah durch die Ermittlung von Wachstumskurven, Längenhäufigkeitsberechnungen, Längen-Gewichts-Korrelationen und Mageninhaltsanalysen. Zusätzliche Informationen lieferten Fang- und Besatzstatistiken des örtlichen Angelsportvereins.

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