Aus der Dorfgeschichte von Wiechs

Bodenfunde zeigen, dass auf Steißlinger und Wiechser Gemarkung ab der Urnenfelderzeit (=späte Bronzezeit, etwa 1300 - 800 vor Christus) Menschen sesshaft waren. Eine im 3. Jahrhundert n. Chr. erbaute Römerstraße führte von Eschenz-Stein kommend, über Friedingen, Maiershöfe und Wiechs nach Orsingen. Sie ist heute in den Gewannen Schachenwies und Krautgarten noch erkennbar.

Urkundliche Erwähnungen

Im Jahr 1277 belehnte der Bischof von Bamberg König Rudolf I. von Habsburg mit Wiechs, der den Ort dem Grafen von Mangold von Nellenburg überlässt. Von diesem Zeitpunkt an waren die wohl schon um 1100 errichtete Turmburg zu Wiechs und das halbe Dorf Wiechs ein nellenburgisches, seit 1465 ein österreichisches Lehen, das immer wieder den jeweiligen Wiechser Ortsherren übertragen wurde.

Zeitweise waren die Truchessen von Diessenhofen Ortsherren von Wiechs. 1342 teilten sie das väterliche Erbe, wobei die Brüder Gottfried und Johann u. a. das Gut Wiechs mit dem Turm, dem Hof Haldenstetten und Weingärten in Steißlingen erhielten.

Die Herren von Homburg, die wahrscheinlich schon früher auch Güter zu Wiechs besaßen, wurden mit dem Kauf im Jahr 1414 Alleininhaber der Herrschaft Wiechs. Im Schweizer Krieg 1499 verbrannten die Eidgenossen die Schlösser und Dörfer Steißlingen und Wiechs. Die Wiederherstellung des ausgebrannten mächtigen Turms begann unmittelbar danach. Auch spätere Brände scheinen den Turm, der neben dem heutigen Wiechser Schloß stand und mit diesem durch einen Steg verbunden war,  nicht zerstört zu haben, denn er stand noch um 1750. Wegen Baufälligkeit musste er später abgebrochen werden.

1565 kam es zwischen Wolf von Homburg und seinem Schwiegersohn Hans Conrad von Bodman zu Möggingen zu einer Kaufabrede wegen des Schlosses, des Turms und dem halben Dorf Wiechs. Nach dem Tode von Wolf von Homburg 1566 erbte Hans Conrad von Bodman einen weiteren Anteil am Dorf Wiechs; den Rest kaufte er 1566 von den Wolf von Homburgischen Miterben dazu, so dass er von da an alleiniger Inhaber des Rittergutes Wiechs war. Die Herren von Bodman blieben bis in die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts im Besitz von Wiechs, dessen eine Hälfte samt dem Turm sie immer wieder als österreichisches Lehen in Empfang nahmen, während die andere Dorfhälfte als freies Eigentum galt.

Hans Sigmund von Bodman berichtete 1664 an den Nellenburger Landvogt, dass ihm im Jahr 1652 seine adelige Behausung zu Wiechs "durch böse Leut" angezündet worden sei, während er und seine Familie schliefen, und dass er die ganze Zeit seitdem in einem schlechten Häuslein wohnen müsse. Bei dem danach wieder aufgebauten und Ende des 18. Jahrhunderts nochmals baulich veränderten Adelssitz in Wiechs handelt es sich um das jetzige Schloß in Wiechs.

Johann Adalbert Franz von Bodman (1718 - 1787), Geistlicher und Domherr in Regensburg war der Letzte des Wiechser Zweiges der Herren von Bodman. Im Jahr 1754 wurde Johann Josef aus der Mögginger Linie der Bodman neuer Grundherr zu Wiechs. Sein Sohn verkaufte das Wiechser Erbe sofort nach dem Tod des Vaters an den Freiherrn Leopold von Roll zu Bernau.

Im Jahr 1791 erwirbt Joseph Wilhelm von Stotzingen die Herrschaft Wiechs um 50.000 Gulden von Konrad Lenz von Lenzfeld, der das Rittergut seinerseits kurz vorherr von Freiherr Leopold von Roll übernommen hatte.  

Landgrafschaft Nellenburg, Königreich Württemberg, Großherzogtum Baden

Das Jahr 1806 traf Steißlingen und Wiechs hart: aufgrund des sog. Preßburger Friedens vom 26.12.1805 kam die Landgrafschaft Nellenburg und damit auch Steißlingen und Wiechs an Württemberg. Am 03. Dezember 1806 musste die Gemeinde dem württembergischen König huldigen.

Zur Freude viele Steißlinger und Wiechser trat das Königreich Württemberg die Landgrafschaft Nellenburg am 02. Oktober 1810 an das Großherzogtum Baden ab. Steißlingen und Wiechs wurden badisch und dem Amt Stockach zugeordnet.

Durch die Einführung der badischen Gemeindeordnung im Jahr 1832 trat der gewählte Bürgermeister erstmals an die Stelle der herrschaftlichen Vögte.

Im Jahr 1874 wurde in Wiechs ein Rat- und Schulhaus erbaut und die Trennung vom Schulverband Steißlingen vollzogen. Die Elektrifizierung von Wiechs erfolgte erst 1919/20.

Die Eingemeindung nach Steißlingen

Die geschichtliche Entwicklung bzw. die Eingemeindung von Wiechs stellte sich zunächst als nicht einfach heraus. Obwohl ein Zusammenschluss der Gemeinden Steißlingen und Wiechs sicherlich für beide Gemeinden von Vorteil gewesen wäre, scheiterte eine von staatlicher Seite erwogene Eingemeindung im Jahr 1935. Beide Gemeinden waren gegen eine Eingemeindung.

Der zweite Eingemeindungsversuch fand schliesslich im Jahre 1972 statt. Nachdem sich die Bürgerinnen und Bürger von Wiechs in einer Abstimmung am 19. März 1972 eindeutig für eine Eingemeindung ausprachen, beschloss der Gemeinderat von Wiechs am 27. März 1972, dass Wiechs mit Wirkung vom 01. Juli 1972 in die Gemeinde Steißlingen eingemeindet wird.

Am 29. März 1972 stimmte auch der Gemeinderat von Steißlingen dieser Eingemeindung zu. Auf der Grundlage dieser Beschlüsse wurde dann die entsprechende Eingliederungsvereinbarung, die von den damaligen Bürgermeistern Forster für Steißlingen und Nägele für Wiechs unterschrieben wurde, abgeschlossen.

Mit dieser Vereinbarung und einer späteren Änderung der Hauptsatzung wurde die Ortschaftsverfassung der Ortschaft Wiechs eingeführt. Seither nimmt der Ortschaftsrat, besetzt mit 6 Ortschaftsräten, die Belange der Ortschaft wahr. Da die endgültige Entscheidungskompetenz jedoch beim Gemeinderat Steißlingen angesiedelt ist, wurde dem ehrenamtlichen Ortsvorsteher ein Teilnahmerecht an jeder Sitzung des Gemeinderates eingeräumt. Er nimmt an den Sitzungen mit beratender Stimme teil und kann so die Geschicke der Ortschaft Wiechs mit beeinflussen.  

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