Der Herrentorkel

Die Torkel im Ortszentrum von Steißlingen.

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Mitten im Dorf steht ein imposanter Gebäudekomplex: der Steißlinger Herrentorkel. Als Torkel (lat. torquere = drehen; torculum = Kelter) werden die Weinpressen im Inneren, aber auch das Gebäude, in der sie stehen bezeichnet. Der Weg der mächtigen Vierflügelanlage der ehemaligen Herrentorkel zur modernen Begegnungsstätte der Bürgerinnen und Bürger von Steißlingen war lang.
1499
Bei der durch die Eidgenossen erfolgten Brandschatzung des Dorfes Steißlingen wurde auch der alte Torkel ein Opfer der Flammen.
 
um 1500
Der Bau einer neuen, der heutigen Anlage beginnt.
 
16. Jahrhundert
Der Herrentorkel wird baulich verändert und erweitert.
 
1671 bzw. 1739
Zusätzliche Weinpressen im Nord- bzw. nördlichen Ostflügel werden errichtet.
 
1833
Wegfall des herrschaftlichen Zwangstorkelrechts und der Weinzehntabgabe. Trotzdem bleibt der Herrentorkel der Hauptkelter im Ort.
 
Um 1900 
Missernten und Rebkrankheiten wie Mehltau, Reblaus und Sauerwurm setzten dem Weinbau stark zu. Die Erträge sinken. Mit dem Niedergang des Weinbaus wird immer mehr Obst aus Äpfeln und Birnen in der Herrentorkel gemostet.
 
1912
Brand im Torkel
 
1929
Noch sind drei Torkelbetten vorhanden. Aufgrund neuer Rebkrankheiten weicht der Weinbau dem Obstanbau und die ehemals ertragreichen Amerikaner-Reben müssen ausgerissen werden. Daraufhin war es um den Weinbau in Steißlingen geschehen. Die Rebberge verschwanden von den Gemarkungen. Heute erinnern nur noch das herrschafliche Gebäude sowie Flur- und Straßennamen an die weinreiche Vergangenheit Steißlingens.
 
1960/70er  
Der Herrentorkel verfällt zusehends. Er ist baufällig und droht, an verschiedenen Stellen einzustürzen.
 
1976-79
Beginn der Restaurierungsmaßnahmen mit Mitteln des Landesdenkmalamtes; Abbau und Wiederaufbau von Süd-, Ost-, Nord- und Westflügel, Neuaufbau der beiden Weinpressen.
 
1991
Nachdem der Gemeinderat im Jahr 1989 zunächst den Kauf des Herrentorkel abgelehnt hat, beschließt er nach über zehn Jahren Verhandlung im Jahr 1991 den Erwerb. Seither steht das Gebäude im Eigentum der Gemeinde, die sich verpflichtet hat, den Torkel in seiner ursprünglichen Form als denkmalgeschütztes Gebäude zu erhalten und nicht zu einem Geschäftshaus umzubauen oder weiter zu veräußern. Sofort nach dem Kauf wird das Gebäude provisorisch durch die Vereine genutzt.
 
1996
Küche und sanitäre Anlagen werden angebaut. DerTorkel kann offiziell als Veranstaltungsort genutzt werden und ist schnell, dank seiner einmaligen Atmosphäre, weit über die Grenzen Steißlingens hinaus bekannt.
 
2003/04 
Nach grundlegenden Sanierungs­maßnahmen am Gebäude, Restaurierung der Torkelbäume und der Quetsche wird der Herrentorkel im Mai 2004 an die Bevölkerung übergeben.

Im Zuge der Baumaßnahme wurden auch die bestehenden Torkelbäume und die Quetsche saniert. Der größte Torkelbaum, ein roh behauener Eichenstamm von 10 m Länge und 80 cm Durchmesser hat etwa 6,4 Kubikmeter und ein Gewicht von 64 Doppelzentner. Der Torkelbaum der mittleren Presse stammt von 1839, die kleinere zeigt die Zahl 1680 an der Tragsäule und 1683 auf der Spindel. Bei den jetzt wieder hergerichteten Trotten wurden weitere Jahreszahlen und zwar 1671, 1762 und 1820 festgestellt. Zudem wird ein Informationsbereich eingerichtet, in dem Interessierte einen Eindruck davon gewinnen können, welchen Stellenwert der Weinbau und der Torkel in früheren Jahrhunderten in unserer Gemeinde eingenommen haben.

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