01.09.2022

Informationen des Bürgermeisters zur Flüchtlingssituation

Bild vergrößern

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, seit mittlerweile über einem halben Jahr dauert der Krieg in der Ukraine und seine schrecklichen Auswirkungen an. Seither hören und sehen wir von den Verwüstungen, von Leid und Tod in den betroffenen Gebieten. Doch auch wenn die Medien den Entwicklungen in Osteuropa immer noch viel Zeit und Aufmerksamkeit schenken, ist doch zu beobachten, dass das Thema weiter nach hinten rückt und von den ebenfalls drastischen Entwicklungen wie Inflation und Energieversorgung überlagert wird.

Der Zustrom an Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten wie auch aus anderen Regionen der Welt hält jedoch seit Monaten an und ist besonders in den letzten Wochen nochmals deutlich angestiegen. Seit einiger Zeit erreichen ca. 450 Flüchtlinge pro Monat den Landkreis Konstanz und müssen versorgt und untergebracht werden. Dies sind höhere Zahlen als bei der sogenannten „Flüchtlingskrise“ in den Jahren 2015/2016. Die Kapazitäten auf Kreisebene sind mittlerweile nahezu erschöpft und es müssen Notfallpläne für den Fall erarbeitet werden, dass sich der Zustrom weiterhin auf diesem Niveau bewegt.

Bereits seit März musste die Gemeinde die Plätze für Flüchtlinge von 80 auf 120 erhöhen. Die aktuelle Situation bedeutet jedoch, dass zusätzlich allein in den nächsten zwei Monaten etwa weitere 30 Flüchtlinge vom Landkreis Konstanz aufgenommen werden müssen. Ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit nicht absehbar.

Hinter diesen Zahlen versteckt sich eine enorme Kraftanstrengung der Verantwortlichen auf allen Ebenen. Bisher war es nur möglich, diese zu bewältigen, da es eine große Unterstützung aus der Gesellschaft gab. Auch hier in Steißlingen sind viele ukrainische Flüchtlinge bei Privatpersonen untergekommen. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals recht herzlich bei allen bedanken, die zur Bewältigung dieser Situation einen Beitrag geleistet haben.

Weiter Wohnungen benötigt
Doch als Gemeinde sind wir weiterhin auf die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Ich bitte Sie, freie und unbelegte Wohnungen, welche Ihnen längerfristig zu Verfügung stehen, bei der Gemeindeverwaltung zu melden. Nur dadurch können wir verhindern, dass es zur Belegung von weiteren Veranstaltungs- und Sporthallen im Landkreis kommen wird.

Auch bitte ich Sie um Verständnis, dass bei Anfragen und Angelegenheiten an Gemeindeverwaltung und Bauhof in dem einen oder anderen Fall etwas mehr Geduld notwendig sein wird. Die Unterbringung dieser enormen Zahl an Menschen bedeutet für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde, vom Bauhof, über Hausmeister bis hin zum Hauptamt eine große Herausforderung. Schließlich sind für jede Familie eine Wohnung inkl. grundlegender Einrichtung, Kinderbetreuung und Schulplätze für die Kinder und vieles vieles mehr zu organisieren.

Eine Herausforderung, der wir uns als Gemeinde gemeinsam stellen wollen, denn auch wir würden erhoffen, dass uns in einer derartigen, gleichermaßen dramatischen Situation geholfen wird.

Ich bin überzeugt, dass unsere Gesellschaft diese und auch weitere Herausforderungen, welche möglicherweise in den nächsten Monaten auf uns warten, bewältigen wird.

Ihr

Benjamin Mors
Bürgermeister